Praxis Archive - Seite 12 von 18 - Skipper Bootshandel

Bordapotheke entdecken

Bordapotheke

Antonia ist plötzlich seekrank, Christian hat sich an einer Muschel an der Mooringleine geschnitten, Thomas hat Bekanntschaft mit einer Feuerqualle gemacht und der Skipper selbst klagt über einen Sonnenbrand - auch an Bord kann so einiges passieren. Ist der nächste Hafen und medizinische Hilfe dann noch viele Seemeilen entfernt, ist es von Vorteil, wenn man die Blessuren der Crew mit Hilfe einer gut sortierten Bordapotheke selbst behandeln kann. Es gibt zwar für Sportboote keine verbindlichen Vorschriften, welche Art von Bordapotheke oder Erste-Hilfe-Sets mitgeführt werden müssen. Sinnvoll ist die Mitnahme aber allemal. Bewährt hat sich, einen handelsüblichen Erste-Hilfe-Kasten für das Auto um einige nützliche Dinge und Medikamente zu ergänzen. Ein Kfz-Verbandkasten nach DIN 13164 enthält Heftpflaster, Wundschnellverbände, Verbandtücher, Verbandtücher für Brandwunden, Verbandpäckchen, Dreiecktücher, Kompressen, Mull- oder Fixierbinden, Einmal-Handschuhe, eine Erste-Hilfe-Schere, eine Rettungsdecke und einen Erste-Hilfe-Plan, der lebensrettende Sofortmaßnahmen wie die Stabile Seitenlage erklärt. Diese Grundausstattung sollte - je nach Fahrtgebiet, Zusammensetzung der Crew und Reisedauer - noch erweitert werden. Wer auf rutschigem Untergrund umgeknickt ist und sich die Bänder überdehnt hat, dem kann mit einem zusätzlich in der Box verstauten Tape-Verband geholfen werden. Diesen anzulegen ist gar nicht so schwer. Doch Vorsicht! Der Tape-Verband darf nicht einschnüren. Bei Schmerzen, Schwellungen oder dem Gefühl von Taubheit muss er sofort wieder abgenommen werden.

Steuerstände

Ein sehr gewichtiger Aspekt beim Kauf eines Bootes ist die Gestaltung des Steuerstandes. Er ist vielleicht noch wichtiger als die Bootslänge oder gar die Motorisierung. „Wieso das denn?“, werden sich jetzt vermutlich viele Leser fragen. Die Antwort ist denkbar einfach: Wenn Sie sich als Skipper an „Ihrem“ Arbeitsplatz nicht wohlfühlen, wird Ihnen das Bootfahren über kurz oder lang keine Freude mehr bereiten. Deshalb sollten Sie sich bei der Bootsbesichtigung viel Zeit bei der Inspektion des Steuerstandes nehmen. Setzen Sie sich auf den Steuerstuhl beziehungsweise die -bank. Sitzen Sie bequem? Ist die Rückenlehne für Ihre Körpergröße ausreichend hoch? Haben die Füße Bodenkontakt oder steht eine ausreichend große Fußraste zur Verfügung? Liegen Schaltung und Steuerrad in Bezug zu Ihrer Sitzposition in einer angenehm erreichbaren und griffgünstigen Lage? Lassen sich beide Aggregate leicht bedienen? Un wie sieht es mit der Ablesbarkeit der Instrumente und der Rundumsicht aus? Sie denken, das seien banale Fragen? Keineswegs, jede dieser Fragen und noch mehr die ehrliche Beantwortung derselben, haben entscheidenden Einfluss auf Ihr Fahrvergnügen und dadurch letztlich auch die Sicherheit von Boot und Crew. Ich saß schon am Innensteuerstand einer 50-Fuß-Yacht und schaute bei einer Lebendgröße von 186 cm gegen die Verblendung im Übergang von Windschutzscheibe zu Dach. Um auch nur halbwegs das Geschehen vor dem Bug und rundum visualisieren zu können, musste ich eine recht obskure Sitzhaltung einnehmen, die sich je nach Veranlagung früher oder später in Rückenschmerzen bemerkbar macht. Bleiben wir an Bord dieser nicht näher zu benennenden Yacht. Für das Ablesen der Drehzahlmesser und des Kartenplotters war ein Zurückfedern in die normale Sitzposition notwendig, was dann zu einem zeitlich begrenzten „Blindflug“ mit immerhin 37 kn führte. Auch beim besten Preisangebot des Händlers, dieses Modell käme für mich nicht in Frage!

Stauplan fürs Boot

An Bord kleiner, trailerbarer Boote besteht das Grundproblem der Ordnung meist im begrenzten Platzangebot. Auf Fahrtenyachten verleitet der üppig zur Verfügung stehende Stauraum zur „Überfrachtung“. Aber egal, mit welchem dieser Kernprobleme Sie sich auch auseinander setzen müssen, eine vernünftige Nutzung des zur Verfügung stehenden Stauraumes zahlt sich in mehrfacher Weise aus. Wer für alle Ausrüstungsteile einen festen Platz parat hat, vermeidet damit zunächst einmal Stolperfallen an Bord. Er trägt bei Hafen- und Schleusenmanövern obendrein für Ruhe an Bord bei. Wenn Fender und Festmacher bei Nichtgebrauch stets an der gleichen Stelle gelagert werden, sind sie natürlich auch immer griffbereit. Diese Griffbereitheit kann mitunter auch bares Geld sparen, nicht unbedingt in Deutschland, wo es keine zwingend vorgeschriebene Ausrüstungspflicht für Sportboote gibt, aber im Ausland. Dort sind teils deftige Bußgelder fällig, wenn etwa Rettungsmittel fehlen oder aber erst nach längerem Suchen aufgespürt werden können.

Wetterbestimmung durch Wolken

Wolken sind eigentlich nichts anderes als kleine Wassertröpfchen, die in der Luft schweben. Sie entstehen aus kondensierendem Wasserdampf. Je nach Höhe und Temperatur gefriert das Wasser und aus dem flüssigen Nass werden Eiskristalle. Wolken bilden sich nur in der erdnahen Luftschicht - genannt Troposphäre - die am Erdboden beginnt und je nach Jahreszeit und Breitengrad an den Polkappen bis sechs und am Äquator bis zu 18 Kilometer Höhe reicht. In dieser Schicht befindet sich nahezu der gesamte Luftvorrat und fast der gesamte Wasserdampf der Erde. Da die Wärme der Sonnenstrahlen in erster Linie vom Boden aufgenommen wird, nimmt die Temperatur mit zunehmender Höhe ab. Bei wolkenlosem Wetter um ein Grad je 100 Meter und bei Bewölkung oder Nebel, der nichts anderes als eine sehr tief stehende Wolke ist, um 0,6 Grad über die gleiche Distanz. Wolken entstehen dann, wenn die Kondensationsrate höher ist, als die Verdunstungsrate, also wenn sich mehr Wassermoleküle an einem Wassertröpfchen anlagern, als durch die Verdunstung wieder verdampfen können. Um die Bedeutung der Wolken abschätzen zu können, muss man ihre Art, Beschaffenheit und das Wetter, das sie ankündigen, zu deuten wissen.

Grundausrüstung für das Boot

Skipper, die seit Jahren mit ihrem Boot auf dem Wasser unterwegs sind, verfügen im Regelfall über eine recht ordentliche Ausrüstung. Die gesammelte Erfahrung hat das Sortiment im Laufe der Jahre komplettiert. Wer einmal wegen einer festgefressenen Leine wertvolle Urlaubszeit verloren hat, wird fortan ein Kapp-Messer dabei haben. Wem einmal das Mittagessen in Flammen aufgegangen ist, wird bestimmt nicht mehr ins Leere, sondern nach einem Feuerlöscher greifen. Zwar werden beim Kauf einer Yacht seitens der Werft einige Ausrüstungsgegenstände mitgeliefert. Doch egal, ob Sie bereits Eigner sind oder gerade ein Boot angeschafft haben - bestimmt kann das eine oder andere nützliche Teil noch nachgerüstet werden. Dass ein 4-m-Schlauchboot keine Rettungsinsel und eine 20-m-Yacht kein Hilfspaddel benötigt, dürfte jedem klar sein. Generell gilt, je weiter Ihre Yacht auf offener See fährt, desto umfangreicher sollte Ihre Ausrüstung ausfallen. Falls Sie beschlossen haben, sich bei einem Messebesuch oder dem Fachhändler Ihres Vertrauens mit neuen Ausrüstungsgegenständen einzudecken, kann Ihnen vielleicht die Checkliste zum Ausschneiden als Gedankenstütze dienen. Was davon für Ihr Boot sinnvoll ist oder nicht, kommt auf die individuelle Größe des selbigen sowie Ihr persönliches Fahrtgebiet an. Eins sollten Sie jedoch nicht vergessen: Die beste Ausrüstung hilft nichts, wenn sie im Ernstfall erst gesucht oder einsatzklar gemacht werden muss. Feuerlöscher, Rettungswesten und Werkzeug sollten daher sinnvoll verstaut werden und bei Bedarf schnell zur Hand sein.  

Seemannsknoten

In einschlägigen Fachbüchern werden tausende verschiedene „Verstrickungen“ beschrieben. Allein in der Knoten-Box von Dominique LeBrun sind 40 verschiedene Seemannsknoten dargestellt. Doch keine Angst, an Bord eines Sportbootes finden die meisten davon keine Anwendung. Um sicher festzumachen oder um Leinen zu verbinden, kommt der Freizeitskipper im Bordalltag in der Regel mit zehn Knoten aus. Trotz komplizierter Namen und unterschiedlicher Anwendungsbereiche haben sie alle eines gemeinsam: Sie sind leicht zu knüpfen, bieten sicheren Halt und können leicht wieder gelöst werden. Bei der Prüfung zum Sportbootführerschein müssen folgende Knoten (mit Ausnahme des Roringsteks) erklärt und sicher beherrscht werden. Und damit das auch nach Bestehen der Prüfung so bleibt, sollten die Knoten immer wieder geübt werden. Denn gerade in brenzligen Situationen ist es wichtig, dass man sie ohne Nachzudenken knüpfen kann. Beginnen wir mit dem Palstek, dem in der Seefahrt am häufigsten verwendeten und allgemein bekanntesten Knoten. Pfadfinder kennen ihn als „Schertauknoten“ oder „Rettungsschlinge“, Feuerwehrmänner als „Feuerwehrrettungsknoten“ und Bergsteiger als „Bulinknoten“, denn er wird auch zum Bergen oder Sichern von Personen eingesetzt. An Bord wird dieser Knoten gerne verwendet, weil er universal einsetzbar ist. Mit ihm wird ein beliebig großes Auge gebildet, das sich unter Belastung nicht zusammenzieht, aber auch nicht löst und leicht wieder zu öffnen ist. Das Auge des Palsteks wird zum Belegen an einem Poller oder Pfahl verwendet. Es bedarf zwar einiger Übung für diesen „Prüfungsschreck“, dafür leistet der Knoten aber sehr gute Dienste.

Funktionsbekleidung

Ob Sie nun auf dem Sportboot, mit dem Mountainbike oder auf Skiern unterwegs sind - Funktionsbekleidung ist bei Outdoor-Aktivitäten heutzutage kaum noch wegzudenken. Um sich optimal vor Wind und Wetter zu schützen, wird häufig das Zwiebelprinzip angewendet. Dabei werden mehrere dünne Lagen Kleidung übereinander getragen, wobei jede eine eigene Funktion übernimmt. Zum Einsatz kommen in der Regel drei Schichten, die Basis-, Mittel- und Außenschicht. Vorteil des Zwiebelprinzips ist, dass man sich durch An- oder Ausziehen schnell der Wetterlage anpassen kann. So entsteht zu jeder Zeit ein angenehmes, konstantes, aber vor allem gesundes Körperklima. Direkt auf der Haut sollte Funktionsunterwäsche aus Kunstfasern getragen werden. Diese nehmen Feuchtigkeit auf, leiten Schweiß ab und halten die Haut trocken. Baumwollunterwäsche speichert hingegen den Schweiß wie ein Schwamm und klebt feucht am Körper. Das ist nicht nur unangenehm sondern auch ungesund, da die Haut mit der Zeit auskühlt. Die zweite Lage sollte aus einem Oberteil (Jacke oder Shirt) aus wärmendem Fleece oder Soft-Shell bestehen. Fleece ist die englische und mittlerweile allgemein übliche Bezeichnung für synthetischen Webpelz aus Polyester. Der Begriff „Soft-Shell“ ist nicht klar definiert, es handelt sich dabei um leichte, witterungsbeständige Synthetik-Materialien. Die dritte Lage sollte eine Jacke bilden, die wind- und wasserdicht sowie atmungsaktiv ist. Funktionsjacken (auch Hard-Shell genannt) verfügen über eine Membran, ähnlich einer sehr dünnen Folie, die über Millionen mikroskopisch kleiner Poren verfügt. Schweiß in Form von Wasserdampf-Molekülen wird nach Außen geleitet, Regentropfen und Wind können nicht ins Innere gelangen.

Arbeiten mit GFK – Teil 3

Für die ersten Schritte benötigen Sie einen geeigneten Ort zum Laminieren - an trockenen Tagen kann man draußen arbeiten, allerdings spielt die Temperatur bei der Aushärtung eine entscheidende Rolle. Ist es zu heiß, kann das Gelcoat in wenigen Minuten „hochgehen“. Bei einer steifen Brise kann es zur Untervulkanisierung kommen. Ideal ist ein gut durchlüfteter, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützter Raum. Tragen Sie bei der Arbeit mit Harz eine Schutzbrille, da es sich bei dem Katalysator um ein organisches Peroxid handelt - ein übles Zeug. Außerdem sollten Sie immer Kochsalzlösung für die Augen bereit halten, so dass Sie diese bei Bedarf für zehn Minuten spülen können. Die Hände können durch das Auftragen einer Schutzcreme oder das Tragen von Latex- oder Vinyl-Handschuhen geschützt werden. Professionelle Laminierer bevorzugen strapazierfähige, waschbare Handschuhe, die oft verwendet werden können. Arbeiten mit GFK macht Spaß. Das Material ist wandlungsfähig und trocknet schnell. Einziger Wermutstropfen ist der beißende Styrolgeruch. Entsprechende Gesichtsmasken sind allerdings schon ab 25 € erhältlich. Arbeiten mit Glasfaser bedeutet, dass mit der „letzten“ Schicht begonnen wird. Danach arbeitet man sich schrittweise von hinten nach vorne durch die einzelnen Schichten. Der erste Schritt - einer mit Zeitlimit - ist das Aufstreichen der zwei Lagen Gelcoat, die für die glänzende Oberfläche verantwortlich sind.

Arbeiten mit GFK – Teil 2

Haben Sie sich jemals gefragt, warum diese glatten Glasfaserprodukte - Sie wissen schon, nützliche Dinge wie Batterieboxen, RIB-Konsolen und Geräteträger - so teuer sind? Ich habe ein wunderbares GFK-Geräte-Podest im Auge, doch die relativ einfache und 1,20 m hohe Form kostet rund 2000 €! Ausschlaggebend sind nicht die Kosten für die Rohmaterialien - die sind relativ günstig - Zeit und Aufwand für die Herstellung einer Form treiben den Preis in die Höhe. Mit ein wenig Know-How und der Fähigkeit, „verkehrt herum“ (spiegelverkehrt) zu denken, hat jedoch jeder geschickte Heimwerker die Möglichkeit, exzellente GFK-Modelle für rund ein Zehntel des handelsüblichen Preises herzustellen. Selbst die Materialien für die Form können aus Resten gewonnen werden. Daher habe ich an einem fünftägigen Praxis-Seminar im Handlaminieren im Southampton Maritime Technology Centre teilgenommen, in dem auch Materialien, Werkzeuge und Sicherheitsmaßnahmen behandelt wurden. Der Kurs wurde von David Browning geleitet, der mehr als 40 Jahre als professioneller Bootsbauer tätig war, zunächst in Holzbauweise und später im Laminieren. Inzwischen gibt er sein Wissen an Studenten weiter. Nach dem Besuch des Seminars gehe ich mit frischem Wissen über das Handlaminieren im Gepäck nach Hause und beginne mit der Fertigung eines Ankerkastens für mein Boot - und zu meiner großen Freude gestaltete sich der Job einfacher als erwartet.

Arbeiten mit GFK – Teil 1

Viele Skipper-Leser haben sicherlich schon einmal glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK) verwendet - jedoch nicht zwingend auf einem Boot. Es wird weitgehend im Do-it-yourself-Verfahren, sprich in Heimwerkerkreisen für Reparaturarbeiten verwendet. Mit diesem Material kann nahezu alles geflickt werden - zum Beispiel ein Flachdach oder ein Autokotflügel. Nachdem die Bootsbranche das Material für sich entdeckt hatte, werden heute die meisten modernen Boote komplett aus Glasfaser gefertigt. Im Vergleich zu Holz oder Metall sind die GFK-Rohmaterialien relativ günstig. Außerdem ist der Bau eines Rumpfs aus diesem Material weniger arbeitsintensiv. Jedes Boot aus Stahl oder aus Holz muss nach einem Plan gebaut werden. Anders bei Booten aus GFK. Ist eine entsprechende Form vorhanden, können daraus unzählige identische Rümpfe produziert werden. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, ob jemand eine Batterie-Box oder ein 9-Meter-Motorboot modellieren möchte - das Prinzip ist das Gleiche. Wie bei allen Materialien, gibt es auch bei der GFK-Verarbeitung ein paar Tricks für das Erzielen der besten Ergebnisse. Was liegt also näher, als einen Kurs zu belegen, der einem das Verfahren von Grund auf näher bringt? Wir haben uns in einen Handlaminierkurs des City College Maritime Technology Centre in Southampton eingeschrieben. GFK besteht hauptsächlich aus Kunstharz, das normalerweise in vorbeschleunigter Form vorliegt. Das heißt, es enthält Chemikalien, die für den Härtungsprozess nur eine geringe Anzahl an Katalysatoren benötigen. Polyesterharz ist das günstigste für den Bootsbau verwendete Harz (ungefähr ein Viertel des Preises von Epoxy) und ist abgesehen von dem stechenden Styrolgeruch, ein einfach zu bearbeitendes Material.