Vom Verbandskasten bis zum Fortbildungsseminar

Wassersport gehört statistisch nicht unbedingt zu den verletzungsträchtigen Sportarten, da liegen die Ballsportarten deutlich weiter vorne. Besonders, wenn Wind und Wellen zunehmen, sollte man jedoch gerüstet sein.

Und zwar nicht nur als Ersthelfer, sondern, da Hilfe von außen möglicherweise nicht so schnell zu erwarten ist, auch als Zweithelfer. Darauf sollte mindestens einer an Bord vorbereitet sein. Wenn überhaupt, so finden wir auf den meisten Yachten eine veraltete und oft auch nicht mehr vollständige Erste-Hilfe-Box, wie wir sie vom Auto kennen. Das ist eindeutig zu wenig. Und selbst, wenn die Bordapotheke gut bestückt ist und es zur etwas schwereren Verletzung kommt, traut sich kaum einer, als Ersthelfer den Druck-Verband oder die Schiene für den Unterarm anzulegen, da das Wissen darüber fehlt.

Bei Lehrgängen wie „Medizin auf See“ haben sie die Chancen ihre Kompetenzen deutlich zu verbessern

Aber wir haben doch fast alle einen Erste-Hilfe-Kurs besucht!? Na klar, damals beim Führerschein. Aber was wissen wir davon noch? Zwar schweben im Kopf noch Begriffe wie stabile Seitenlage und Mund-zu-Mund-Beatmung herum, aber wie es wirklich geht, weiß dann kaum noch jemand. Machen Sie mit Freunden einen Erste-Hilfe-Kurs. An fast jedem Wochenende finden in Ihrer Nähe Kurse statt. Für durchschnittlich 30 Euro werden Sie in neun Unterrichtseinheiten wieder auf den derzeitigen Stand der Ersten Hilfe gebracht. Eine derartige Investition an einem Wochenendtag lohnt in jedem Fall.

 

 

Infos zu entsprechenden Seminaren und Erste-Hilfe-Kursen fi nden Sie unter folgenden Internet-Adressen:

www.malteser.de
www.drk.de
www.johanniter.de
www.asb.de
www.con-cura.de
www.erstehilfe.de

Dies kann allerdings nur der Einstieg sein. Besonders, wenn es im Sommer auf den großen Törn geht und ein schneller Rettungsdienstzugriff von außen nicht mehr möglich ist, sollte mehr Kompetenz an Bord sein. Wer hier sinnvoll investieren möchte, der muss schon etwas mehr Zeit und auch Geld aufwenden. Diese Intensivkurse zur medizinischen Versorgung an Bord sind in der Regel zweitägig und dauern etwa 16 Stunden. Das Programm geht von den besonderen Anforderungen auf See aus, es unterscheidet sich deshalb deutlich von einem Erste-Hilfe-Kurs, wie er von obigen Hilfsorganisationen angeboten wird, baut aber auf diesen Kenntnissen auf. Neben der Behandlung von Krankheiten und Verletzungen wird auch deren Prophylaxe an Bord in die Ausbildung mit einbezogen.

Der Erste Hilfe Kasten kann nur die Basis der Erstversorgung sein. Dazu gehören Ihre persönliche Ergänzung in Abhängigkeit zur Jahreszeit, Törngebiet, Crewzusammensetzung und -stärke.

Ziel ist es in fasten allen Kursen, den Wassersportlern Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, mit deren Hilfe sie einen Erkrankten oder Verletzten an Bord versorgen können und mit deren Hilfe der Patient die Zeit, bis professionelle Hilfe erreicht wird, besser übersteht. Und das kann auf See deutlich länger dauern als an Land.

Internistische Akutsituationen wie Allergien, Stoffwechselkrisen und Infektionen stehen genauso auf dem Programm wie die Gefahr des Ertrinkens, der Unterkühlung und des »Rewarmings« sowie alle Probleme im Zusammenhang mit Mensch-über-Bord-Problematiken. Wichtig ist sicherlich auch das Einweisen in und das Üben von Notruf- und Beratungsverfahren (TMAS, MEDICO-Gespräch). Diese Möglichkeit der Information und Unterstützung wird dank moderner Medien immer stärker genutzt. Derartige Kurse sind nicht ganz billig. Die Kosten liegen zwischen 200 und 250 Euro. Dieses Geld ist aber mit Sicherheit gut angelegt. Seminare zum Thema »Medizin an Bord« finden Sie unter:

www.seadoc.de
www.kreuzer-abteilung.org
www.kycd.de

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in SKIPPER Bootshandel 07/2018! In diesem beschäftigen wir uns näher mit der Reiseapotheke, Aufbewahrung und Haltbarkeit von Medikamenten und dem Arzt auf hoher See.

Text & Fotos: Ulrich Holstermann