Stellte Bayliner die vor allem in Nordamerika einst so beliebte »Trophy«- Serie um das Jahr 2010 ein, so erfolgte zehn Jahre später die Wiederbelebung der Angel- und Offshore-Linie. Die neu entwickelten Trophy-Modelle verfügen über moderne Deep-V-Rümpfe. Und statt Innenbordern mit Z-Drive kommen nun Außenborder zum Einsatz.
De Brunswick Marine Group vereint rund 15 bekannte Bootsfabrikate unter einem Dach, zu denen seit 1986 auch die Marke Bayliner gehört. Das Unternehmen produziert Freizeitboote in Längen zwischen 16 und 29 Fuß. Unter Regie des amerikanischen Großkonzerns laufen weltweit jährlich etwa 100.000 Boote vom Stapel. Dazu gehören auch die vier Bayliner-Modellreihen Bowrider, Cuddy, Deck Boat und Trophy. Letztere wird in Deutschland derzeit als Center-Console-Boot mit den Modellvarianten T20CC, T22CC und T24CC in drei Längen angeboten. Die seit 2021 aufgelegte Serie wird in der mexikanischen Grenzstadt Reynosa am Rio Grande nahe der texanischen Grenze produziert. Einst für Offshore-Aktivitäten entworfen, positionieren sich die neuen Trophy-Modelle auch weiterhin als komfortable, sichere und robus- 38 08.2026 TEST te Angel- und Freizeitboote. Interessant dürfte zudem das Preis-Leistungs-Verhältnis sein.

Bewegungsfreiheit in der Bayliner
Die erste Bekanntschaft mit der neuen Trophy T22CX machten wir im Sommer letzten Jahres auf der Inwater-Messe im brandenburgischen Werder an der Havel. Bereits vom ersten Augenblick an polarisierte die von B1 Custom-Design ausgestellte und folierte Trophy mit einem Dachzelt über dem T-Top und unterstrich damit den Zweck des Bootes als fahrbarer Untersatz für Abenteurer, die ihre Freizeit nicht nur in der Wildnis, sondern auch auf dem Wasser verbringen. Für hartgesottene Angler eben. Und auch der am Bug montierte weiße Trollingmotor Garmin Force Kraken erweckte das Interesse der Besucher. So wurde schnell klar, dass wir uns dieses Boot mal genauer ansehen wollten. Von B1-Chef und Bayliner-Händler Frank Schaper bereitgestellt, setzt sich das markante und in heimischen Gefilden eher seltener anzutreffende Konsolenboot schon rein optisch auf die Adventure-Wunschliste.
Der Einstieg ins selbstlenzende Cockpit erfolgt über die 85 × 60 cm große Heckplattform an Steuerbord und einen 30 cm breiten Durchgang, der über einen Doppel- Getränkehalter mit der festen Hecksitzbank verbunden ist. Während die CCAusführungen am Heck über zwei Klappsitze nach Art von Casting-Alu-Booten verfügen, steht das Kürzel CX für eine komfortable und kompakte, 145 cm breite Hecksitzbank mit acht Zentimeter starken Polstern. Unter der Bank befindet sich ein großes wasserdichtes Staufach mit Ablauf. Backbordseitig ist das Schapp für die Starterbatterie samt Hauptschalter untergebracht. Das Layout des Cockpits entspricht einem klassischen Center-Konsolenboot mit großer zentraler Mittelkonsole und einem offenen Bugbereich mit U-Sitzgruppe, wie man ihn von Bowridern kennt. Die innere Bordwand ist 75 cm hoch, der Süllrand 25 cm breit. Dank einer Cockpitbreite von 220 cm bleibt genügend Bewegungsfreiheit.
Herzstück des Cockpits
Kommen wir zum Herzstück des Cockpits: dem Steuerstand. Die Schaltzentrale befindet sich auf einer 120 cm hohen Mittelkonsole, die – wie bei amerikanischen Booten üblich – auch eine kleine Toilettenkabine beherbergt. Dieses mit einem optionalen Chemie-WC für 389 Euro ausgestattete stille Örtchen ist bei einer Kopfhöhe von 150 cm allerdings nur sportlich zu nutzen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der 246 Liter fassende Kraftstoffeinbautank. Am Steuerstand finden wir einen 12-Zoll-Garmin- Kartenplotter inklusive GT56-Geber, der mit 3.738 Euro zu Buche schlägt. Für einen zweiten 12-Zöller ist ebenfalls noch Platz vorhanden. Die Windabdeckung der Frontscheibe muss man allerdings als suboptimal bezeichnen, denn der Fahrtwind pfeift von allen Seiten ins Cockpit.
Seitliche Windschilde wären hier vermutlich eine sinnvolle Ergänzung. Das Ensemble aus Steuerstand und 115 cm breiter Skipper-Sitzbank wird von einem etwa 230 x 160 cm großen T-Top überspannt, für das 3.859 Euro zu berappen sind. Aber ehrlich: Das muss sein! Es schützt vor aggressiver Sonne und bietet zugleich zahlreiche Zusatz-Montagemöglichkeiten. B1 Custom hat dem Testboot beispielsweise auch ein kräftiges 700-Watt-Soundsystem mit zwei Subwoofern verpasst, das optional mit 4.290 Euro berechnet wird. Und auch für die Übernachtung an Bord ist gesorgt. Hoch über dem T-Top wurde eine schnell entfaltbare CampLodge installiert. Mit diesem im B1-Custom-Adventure-Paket enthaltenen Dachzelt für 1.899 Euro erhält die Trophy T22CX eine praktische und wetterfeste Freiluftkabine, die nicht nur Nachtangler zu schätzen wissen dürften.

Agil und sportlich
Ein nahezu unverzichtbares Gimmick ist der am Bug montierte elektrische Trollingmotor Garmin Force Kraken mit 90-Zoll- Schaftlänge, der zu den derzeit stärksten Serien-Trollingmotoren auf dem Markt gehört. Seine Energie bezieht der Antrieb aus einer 24-Volt-100-Ah-Lithium-Ionen- Batterie. Per integriertem GPS und Steuerkurssensor kann der Bugmotor wie ein digitaler Anker fungieren und das Boot automatisch auf Position halten. Wer einen solchen Motor an Bord hat, möchte ihn kaum mehr missen – auf modernen Angelbooten ist er nahezu Pflicht. Auf dem Wasser zeigt sich das in der CE-Seetauglichkeitseinstufung C zertifizierte, beladen etwa 2,2 Tonnen verdrängende und 6,88 m lange Boot mit seinem 18°-Deep-V-Rumpf erwartungsgemäß agil und sportlich. Für Offshore-Reviere und Rauwasser konstruiert, fühlt man sich vom ersten Moment an sicher aufgehoben.
Den kompletten Test finden Sie in der Ausgabe 08/26
Technische Details
Länge über Alles: 6,88 m
Breite: 2,60 m
Tiefgang: 0,93 m (Antrieb abgesenkt)
Gewicht (o. Motor): 1.814 kg
CE-Kategorie: C
Max. Personenzahl: 8
Brennstofftank: 246 l
Baumaterial: GFK
Motorisierung: Außenborder, Leistung bis 220,6 kW (300 PS)
Grundpreis (o. Motor): 48.190 €, Preis des fahrfertigen Testbootes
inkl. umfangreicher Sonderausstattung und Mercury F200DS XL:
99.000 €
Informationen und Werft
Bootscenter an der B1 (offizieller Bayliner-Händler und Lieferant
des Testbootes), Berliner Straße 114, 14542 Werder,
Tel. 03327-731731, www.bootscenter-b1.de
Bayliner by Brunswick Marine in EMEA, Parc Industriel de
Petit-Rechain, Avenue de Mercury 8, B-4800 Verviers
Kontaktdaten der deutschen Händler unter www.bayliner.com
Den kompletten Bootstest lesen Sie in SKIPPER Bootshandel 08/2026!

Text & Fotos: Rex Schober
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