Was ist eigentlich ein Trawler?!?

Auf diesen Seiten erläutern wir maritime Fachbegriffe oder stellen eigenständige Bootsgattungen vor. Diesmal geht es um extrem stilvolle Motoryachten: die sogenannten Trawler.

 

Ursprünglich bezeichnet der Begriff »Trawler« ein kommerziell betriebenes Fischereifahrzeug, wie es überall auf den Weltmeeren zum Schleppnetzfischen eingesetzt wird. Stilistisch an diese seit vielen Jahrzehnten anzutreffenden Arbeitsschiffe mit hohem Freibord und konventionellem Spiegelheck angelehnt, wurden zu Beginn der 1960er-Jahre die ersten Boote für den Freizeitgebrauch auf Kiel gelegt. Als Urahn aller späteren Trawler-Yachten gilt gemeinhin die von Kenneth Smith entworfene »Spray«, ein hölzerner 36-Fuß-Tourenverdränger von American Marine, der mit einem üppigen Platzangebot, beispielhafter Seetüchtigkeit und exzellenten Manövriereigenschaften auf sich aufmerksam machte. Binnen kürzester Zeit stieß dieser neue, ebenso robuste wie optisch gefällige Schiffstyp auf regen Zuspruch und eine große Nachfrage. Im Zuge der Weiterentwicklung stellte der weltbekannte Trawler-Yacht-Spezialist Grand Banks anno 1969 sein 11,23 m langes Erfolgsmodell Grand Banks 36 vor, das seinerzeit fast den Wohnkomfort eines schwimmenden Ferienhauses bot. Dank der schon damals recht wirtschaftlichen Dieseltechnik und einer enormen Bunkerkapazität, aus der sich ein beträchtlicher Aktionsradius ergab, avancierte dieses mittlerweile legendäre Boot zum absoluten Bestseller. Zuerst lief die GB 36 als Vollholz-Version und ab 1973 als GFK-Konstrukt vom Stapel. Seit den frühen 1970ern befassten sich zahlreiche konkurrierende Werften, insbesondere solche aus Fernost, mit der serienmäßigen Fertigung von Trawler-Yachten, die sich bis heute, und zwar ungeachtet flüchtiger Modetrends, rund um den Erdball einer treuen Fangemeinde erfreuen. Trawler werden aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), Stahl, Aluminium und auch Holz produziert. Nahezu allen Fabrikaten gemeinsam ist das schiffige Erscheinungsbild mit einem wuchtigen, mitunter auch geklinkerten oder im Plankenlook gehaltenen Rumpf, dem hochgezogenen Bug und kantiger Heckpartie. Die meisten modernen Trawler sind als Flybridge-Kreuzer mit weitläufigem Oberdeck und zweitem Steuerstand konzipiert. Als markantes Stilelement anzutreffen ist oftmals ein Mast mit Stützsegel. In der Regel besitzen die unbedingt wetterfesten, vorwiegend nach der CE-Kategorie A oder B eingruppierten Yachten einen riesigen Salon sowie geräumige Eigner- und Gäste-

kabinen. Das Mobiliar besteht primär aus edlen Hölzern wie Teak, Eiche, Kirsche oder Mahagoni. Kennzeichnend für die überdurchschnittlich wertstabilen Motoryachten, die in Längen zwischen 32 und mehr als 100 Fuß offeriert werden, sind die umlaufenden, von einem Schanzkleid umgebenen Gangborde beziehungsweise überdachten Laufdecks. Somit wird die Fortbewegung außerhalb des Ruderhauses selbst dann zur entspannten Angelegenheit, wenn man in rauen Küstenrevieren unterwegs ist. Die meisten Trawler sind als gutmütig laufende Verdränger mit Einbaudiesel und Wellenantrieb konzipiert und für ein Maximaltempo von etwa sieben bis elf Knoten ausgelegt. Wie es sich für waschechte Longrange-Cruiser gehört, können die Boote riesige Distanzen von mehreren hundert Seemeilen ohne Bunkerstopp überbrücken. Angemerkt sei jedoch, dass einige Vertreter dieser Spezies dank leistungsstarker Zwillingsmotorisierungen und des zum Teil umfassend modifizierten Unterwasserschiff-Layouts deutlich höhere Reise- und Spitzengeschwindigkeiten erreichen. Ein Plus an Speed wäre natürlich mit einem signifikanten Mehrverbrauch und einer Verringerung der Reichweiten verbunden.

Text: Peter Marienfeld, Fotos: Werften

 

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